Objektstraße und Denkmalschutz

Unsere Objektstraße besteht jetzt 50 Jahre. Sie wurde niemals repariert, obwohl seit 50 Jahren Panzer, immer größer werdende Forst- und Landwirtschaftsmaschinen über sie rollen. Unsere „Waschbrettstraße“ hat Niemanden interessiert – bis Fördergelder von der EU in Aussicht standen. Allen Argumenten stand der Gemeinderat und die Bürgermeisterin blind gegenüber. Wir haben unser Tauschangebot unterbreitet, die Vorteile der Straße aufgelistet, ihren historischen Wert angesprochen, uns begegnete nur Sturrheit. Umso mehr freuen wir uns über die Beurteilung des Denkmals „Beton-Plattenstraße Ellershagener-/Objektstraße…“ (hört sich das schön an) durch Herrn Dr. Matthias Baxmann, Referent technische Denkmale/Industriedenkmale des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum Zossen. Herr Dr. Baxmann hat ja unsere Objektstraße ganz genau unter die Lupe genommen, so dass herrliche Feststellungen offenkundig werden wie:

„….und zeichnen sich wegen ihrer Herstellungsqualität durch eine in 50 Betriebsjahren erwiesene große Beständigkeit gegenüber Umwelt- und Verkehrseinflüssen aus.

Bis auf eine Ausnahme im nordöstlichen Teil der Straße gibt es auf der gesamten Länge keine sichtbaren Reparaturstellen.

Die Straße entwässert nach wie vor vorbildlich…“

 

Ach lesen Sie selber.
Uns ist es ein innerer Vorbeimarsch, denn wir müssen uns jetzt nicht mehr mit Unvernunft und Ignoranz herumschlagen!!!

 

BEURTEILUNG DES DENKMALS

Lage:

Die Betonplattenstraße führt in nahezu gerader Linie, ausgehend östlicher Ortsausgang Ellershagen (Richtung Ackerfelde), von Südwest nach Nordost und durchquert den Wohnplatz Ellershagen-Ausbau bis zu einem ehemaligen militärischen Objekt der NVA.

Beschreibung des Denkmals

Die 1967 vermutlich im Auftrag der damaligen Nationalen Volksarmee der DDR von einer Berliner Tiefbaufirma gebaute Straße ist als Betonplatten-Straße, d. h. als Schwerlaststreifen, ausgeführt. Die Straße hat eine Länge von etwa 2,5 km und der Schwerlaststreifen im Querprofil eine nutzbare Breite von 2,98 m. Außerhalb der Ortslage Ellershagen-Ausbau säumt die Straße eine Baumallee (Eichen, Linden, Robinien), die funktional zur Straße (vermutlich Tarnung und Verschattung) gehört und damit zum Denkmalumfang. Die Betonplatten haben eine länglich-trapezförmige Form. Sie sind 298 cm lang, an der schmaleren 38 cm und an der breiteren Seite 58 cm breit. Die unbewehrten, mit groben Zuschlagstoffen (farbige Quarzite, d. h. fein- bis mittelkörnige metamorphe Gesteine), vermutlich zwischen 18 und 30 cm dicken Betonplatten, haben keine, wie sonst im ländlichen Wege-und Straßenbaubau der DDR üblichen beidseitigen Durchbohrungen mit Querstange und zeichnen sich wegen ihrer Herstellungsqualität durch eine in 50 Betriebsjahren erwiesene große Beständigkeit gegenüber Umwelt- und Verkehrseinflüssen aus. Der Herstellungsort der Platten, die die Deck- und obere Tragschicht in sich vereinen, konnte nicht ermittelt werden. Die Platten sind wechselseitig quer zur Fahrbahnrichtung und passgenau mit einer Raumfuge (vermutlich bituminöses Material) in einem Kiesbett als untere Tragschicht verlegt. Bis auf eine Ausnahme im nordöstlichen Teil der Straße gibt es auf der gesamten Länge keine sichtbaren Reparaturstellen. Die Straße entwässert nach wie vor vorbildlich. Während der denkmalrechtlichen Inventarisation herrschte ein seit Stunden andauernder Dauerregen und die Straße war weder überflutet, noch standen auf ihr großflächige Pfützen oder Wasserlachen.

 

Begründung der Eintragung:

Die oben genannte Betonplatten-Straße ist orts- und regionalgeschichtlich, bau- und verkehrsgeschichtlich sowie städtebaulich bedeutsam. Verkehr-, orts- und regionalgeschichtlich deswegen, weil die Straße im Zusammenhang mit der verkehrlichen Erschließung des militärischen Standortes der Funktechnischen Kompanie FuTK 232 der NVA stand, einer Radareinheit zur funktechnischen Überwachung und Verteidigung des DDR-Luftraums. Mit der Verschärfung des Kalten Krieges nach dem Mauerbau 1961 wurde die Einheit in das diensthabende System (DHS) der Luftverteidigung des Landes integriert und man stellte auch hier die Gefechtsausbildung und -bereitschaft in den Mittelpunkt. Das bedeutete u. a. periodisch veränderte Technik mit höheren Verkehrslasten sowie vermehrte Verlegeübungen des schweren, mobilen Geräts. Es wird berichtet, dass die Zufahrtsstraßen zur FuTK anfangs Feldwege waren, die zunehmend unbefahrbar für zivile Fahrzeuge wurden. Anekdotisch wird berichtet, dass dies in einem spektakulären Fall der englischen Militärmission zum Verhängnis wurde, deren geländegängiger PKW sich in der Nähe des Militärobjektes, im OT Ellershagen, festfuhr. Die britischen Offiziere wurden von den NVA-Soldaten festgesetzt, bis Vertreter der sowjetischen Streitkräfte eintrafen. Die in der DDR tätigen westlichen Militärverbindungsmissionen (MVM) befuhren die gesperrten Zonen regelmäßig, um militärische Objekte der NVA und der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) aufzuklären. Die Episode gibt Auskunft darüber, dass Anfang der 1960er Jahre eine befestigte Straße in dieser Gegend noch nicht existierte. Diese wurde dann zur besseren Erreichbarkeit und wegen der ständig zunehmenden Verkehrslast 1967 gebaut. In dem Zusammenhang entstand auch der Wohnplatz Ellerhagen-Ausbau, wo u. a. die Familien der Berufssoldaten und Zivilbeschäftige Wohnungen erhielten. Neben der jetzt denkmalgeschützten Straße entstand so ein befestigtes Verkehrswegenetz in der Region. Noch heute ist die denkmalgeschützte Straße für die Bevölkerung von Ellershagen-Ausbau Identität stiftend, die sie liebevoll als „ihre Waschrettstraße“ bezeichnen, die ihrem Mobilitätsbedürfnis in vollem Umfang entspricht. Die Straße prägt letztlich den Ort baulich und in seiner räumlichen Aufteilung, woraus sich ihre städtebauliche Bedeutung ableitet.

Fahrbahndecken aus Beton (unbewehrte Spurbahnplatten oder Betonfahrbahnplatten wie in Ellershagen) sind hohen Belastungen aus Umwelt und Verkehr ausgesetzt. Sie kommen bevorzugt bei Straßen mit hoher Beanspruchung, wie in Ellershagen zum Einsatz. Sie wurden und werden meist in einer Stärke von 18 bis 30 cm ausgeführt. Dabei ist darauf zu achten, die Straße, wie in Ellershagen mit Fugen zu versehen. Diese verhindern oder minimieren Rissbildungen und gleichen Längenänderungen durch Temperaturschwankungen aus. In Ellershagen kamen nach unserer jetzigen Erkenntnis qualitätvolle  Raumfugen (Plattentrennung in ganzer Dicke durch einen ausgefüllte Spalt, der eine nur wenig behinderte Ausdehnung der Zementbeton-Plattenreihe ermöglicht) zum Einsatz, die mit einem bituminösen Material verfüllt sind und verhindern, dass Feststoffe oder Flüssigkeiten eindringen, wodurch die freie Beweglichkeit der Platten zueinander behindert würde und Beschädigungen zur Folge hätte. Aufgebaut ist die Straße klassisch in drei Schichten, Deckschicht und zwei Tragschichten, wobei die beiden ersteren in der Platte zusammengefasst sind. An Deckschichten werden, wie oben beschrieben, besonders hohe Qualitätsanforderungen gestellt. Ihre Dicke und Zusammensetzung ist abhängig von der Verkehrsbelastung und der damit verbundenen bemessungsrelevanten Beanspruchung.

Voraussetzung für das Erreichen einer hohen Lebensdauer ist eine qualitätsgerechte Herstellung der Betonfahrbahndecke, was sich in der Ellershagener Straße eindrucksvoll manifestiert, was ihre baugeschichtliche Bedeutung begründet.